RIKE MOHAUPT
Eine Frau, Übersetzerin, dreissig, zieht von
Brooklyn nach Berlin um. Ihr Ex stellt ihr nach. Aber
hat, fragt Rike Mohaupt, der Liebesroman nicht
immer Züge einer Verfolgergeschichte?
Fritz Hirzel, Rike Mohaupt, Rohfassung,
Erstveröffentlichung. Berlin 2010
Rike Mohaupt, Übersetzerin, dreissig, wohnhaft 5th Avenue,
Brooklyn, ist liiert mit dem im Weinmarketing tätigen
Stephen Wagoner. Sie verlässt ihn – der Grund ist seine
Eifersucht – und zieht zu Fabio Calvani, der in Berlin
eine Galerie aufgemacht hat. In Berlin hat ihr Urgrossvater gelebt.
Sie lebt in Moabit, wo Fabio Calvani eine Wohnung
gemietet hat, Quitzowstrasse 107, Vorderhaus, viertes OG, Blick
auf den Westhafen. Die Galerie? Brunnenstrasse, Mitte.
Oder sagen wir doch besser Wedding. Die Mutter der Kunstgalerie
ist die unvermietbare Ladenfläche.
Sie hat, glaubt Rike Mohaupt, die Trennung von Stephen
Wagoner überwunden. Sie schläft das erste Mal
mit Fabio Calvani. Sie führt die Galerie, als er sich in New York
aufhält. it’s tough, sagt Fabio Calvani. But we move on.
Noch weiss sie nicht, wovon er redet.
Aufregende Plätze
Da taucht eines Abends Stephen Wagoner in Berlin auf.
Nachts läutet er unten an der Wohnung. Anderntags steht er in
der Galerie. Hat, fragt Rike Mohaupt, der Liebesroman
nicht immer Züge einer Verfolgergeschichte? Und warum ziehen
aufregende Plätze sie immer so an?
Ireen Mohaupt, ihre Mutter, eine Photographin, erzählt:
In Schöneberg hat der Urgrossvater von Rike gelebt,
August Mohaupt, der seit den 1920er Jahren Portier und Hauswart
an der Haberlandstrasse 7 gewesen ist, eine damals
grossbürgerliche Adresse.
Von August Mohaupt hat es geheissen, er hätte
unter den Nazis einen gewissen Willy Collin erschlagen,
einen Kapellmeister.
Mohaupt-Gen
Hauptperson ist eine Frau. Die Geschichte, die sie aufdeckt,
und die Geschichte, die sie verfolgt in der Liebe zwischen
zwei Männern, sind Paargeschichten. Sie reichen von Brooklyn
nach Berlin zurück.
Das Gerücht, auf das sie sich einlässt, rückt ihren
Urgrossvater in ein grelles Licht. Sie sagt, sie sucht die DNA.
Sie sagt, sie erzählt Familiengeschichte. Sie sagt, sie
sucht das Mohaupt-Gen. Der Gang der Erkundungen führt sie
in eine Stadt, die es nicht mehr gibt.
Rohfassung
Nachdem Fritz Hirzel Jeder eine Fackel in der Hand
als Herausgeber in Teilen online veröffentlicht hatte, ist er als
Autor mit Rike Mohaupt noch einen Schritt weiter
gegangen. Er hat die Rohfassung im Entwicklungszustand
zeitgleich ins Netz gestellt.
Notiz zur Veröffentlichung
Der Roman ist ein Werk der Fiktion. Namen, Charaktere,
Orte und Begebenheiten sind entweder das Produkt
der Imagination des Autors oder, falls real, fiktional verwendet.
Inhalt
Ich weiss nicht, wovon du redest