Clown Pic in der Szene  Blues. Korrekturabzug mit

Foto-Doppelseite zum Programmheft für Ein Abend mit Pic 1994


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SCHLEMIHL PIC ZEN CHAPLIN


1994, als Fritz Hirzel mit seinem Bruder

das nächste Solostück fürs Theater inszeniert, veröffentlicht er im Programmheft zu Ein

Abend mit Pic eine kleine Dokumentation. Mit Zitaten

zu Schlemihl, Pic, Zen und Chaplin.



Schlemihl

Adalbert von Chamisso, Peter Schlemihls wundersame

Geschichte, Novelle, Nürnberg 1848:


Er steckte die Hand in die Tasche und zog einen

mässig grossen, festgenähten Beutel von starkem Korduanleder an zwei tüchtigen ledernen Schnüren heraus und händigte mir

selbigen ein. ich griff hinein und zog zehn Goldstücke daraus, und wieder zehn, und wieder zehn, und wieder zehn; ich hielt

ihm schnell die Hand hin: „Topp! der Handel gilt; für den Beutel

haben Sie meinen Schatten.“

      Er schlug ein, kniete dann ungesäumt vor mir nieder,

und mit einer bewundernswürdigen Geschicklichkeit sah ich ihn

meinen Schatten, vom Kopf bis zu meinen Füssen, leise

von dem Grase lösen, aufheben, zusammenrollen und falten und

zuletzt einstecken.

      Er stand auf, verbeugte sich noch einmal vor mir und

zog sich dann nach dem Rosengebüsche zurück. Mich dünkt,

ich hörte ihn da leise für sich lachen.

      Ich aber hielt den Beutel bei den Schnüren fest;

rund um mich her war die Erde sonnenhell, und in mir war

noch keine Besinnung.



Pic

Jack Kerouac, Pic, Roman, New York 1971:


Ain‘t never nobody loved me like I love myself, cept my mother

and she‘s dead. (My grandpa, he‘s so old he can

remember a hunnerd years back but what happened

last week and the day before, he don‘t know.)

      My pa gone away so long ago ain‘t nobody remember what

his face like. My brother, ever‘ Sunday afternoon

in his new suit in front of the house, out on that old road, and

grandpa and me just set on the porch rockin and

talkin, but my mother paid it no mind and one day he was

gone and ain‘t never been back.



Sandmann

E.T.A. Hoffmann, Nachtstücke, Erzählungen, Berlin 1817

– In Der Sandmann schreibt Clara an Nathanael:


Ich bitte Dich, schlage Dir den hässlichen Advokaten

Coppelius und den Wetterglasmann Giuseppe

Coppola ganz aus dem Sinn. Sei überzeugt, dass diese

fremden Gestalten nichts über Dich vermögen;

nur der Glaube an ihre feindliche Gewalt kann sie Dir in der

Tat feindlich machen.

      Spräche nicht aus jeder Zeile Deines Briefes die tiefe

Aufregung Deines Gemüts, schmerzte mich

nicht Dein Zustand recht in innerster Seele, wahrhaftig, ich

könnte über den Advokaten Sandmann und den

Wetterglasmann Coppelius scherzen.

      Sei heiter – heiter! – Ich habe mir vorgenommen, bei Dir

zu erscheinen, wie Dein Schutzgeist, und den

hässlichen Coppola, sollte er es sich etwa beikommen

lassen, Dir im Traum beschwerlich zu fallen,

mit lautem Lachen fortzubannen.



Zen

Helmut Brinker / Hiroshi Kanazawa, Zen,

Meister der Meditation in Bildern und Schriften, Zürich 1993:


Als Lüqiu Yin (Ende 8. Jahrhundert Präfekt in Taizhou)

kurz vor seiner Abreise zu einer neuen Dienststelle in der Nähe

des Tiantaishan von heftigen Kopfschmerzen geplagt

wurde und alle ärztliche Kunst versagte, vermochte einzig der

aus dem Guoqingsi gekommene Chan-Meister

Fenggan, der stets mit einem Tiger als freundschaftlichem

Begleiter seiner Wege ging, ihm zu helfen.

      Lüqiu Yin erkundigte sich bei Fenggan, ob in seinem alten

Kloster noch andere buddhistische Lehrer lebten,

die er in Glaubensfragen konsultieren könne, worauf dieser

ihn an Hanshan und Shide verwies, die in Wirklichkeit

Inkarnationen der Bodhisattvas Manjusri und Samantabhadra

seien.

      Nachdem der Magistrat seinen neuen Posten übernommen

hatte, machte er sich sogleich auf zum Guoqingsi,

um die beiden „Heiligen“ aufzusuchen. Er traf sie in der

Klosterküche und verbeugte sich in Ehrfurcht

vor ihnen.

      Doch die beiden, die sich gerade an einem Ofen wärmten,

begannen vereint zu lärmen und zu schreien:

„Fenggan, dieses Plappermaul! Ihr erkennt nicht einmal

den Buddha Amitabha (Fenggan), wenn Ihr ihn

seht! Was soll das heissen, dass Ihr euch vor uns verneigt?“

      Die durch das Getöse aufmerksam gewordenen Mönche

des Klosters liefen in der Küche zusammen und sahen

die merkwürdige Situation. Hanshan und Shide verliessen draufhin Hand in Hand fluchtartig die Szene und verschwanden in

ihrem Unterschlupf in den benachbarten Bergen.

      Als später der Präfekt den Eremiten Geschenke in Form

von Kleidung und Medikamenten bringen liess,

schrie Hanshan den Boten entgegen: „Diebe, Diebe!“



Chaplin 

Al Hirschfeld, Chaplin auf Bali, New York Times Magazine,

Juli 1942:


Ich traf Chaplin vor zehn Jahren auf Bali. Er war auf

Weltreise, ich lebte und malte dort. Der Film war noch nicht

bis Bali gekommen. Als Chaplin seine Anonymität

entdeckte, wollte er sehen, ob er die Leute auch hier zum

Lachen brächte.

      Sein Publikum bestand aus sieben Hausburschen,

von denen einer bei mir beschäftigt war. Chaplin setzte den

Tropenhelm auf, den er gerade bei sich hatte, aber

der Helm sprang ihm vom Kopf, wie aus eigenem Willen,

vertrackt.

      Unerschrocken, mit wunderbar nonchalantem Blick

versuchte Chaplin es nochmal – wieder sprang der Helm in

die Luft. Und die Hausburschen bogen sich vor

Lachen, sie glaubten, es seien dämonische Kräfte im Spiel.

      Als ihnen der simple Trick gezeigt wurde, versuchten

sie mit ausgelassenem Eifer, ihre Turbane in derselben Art

hochzuschnippen. Es war Chaplins erster Tag auf

Bali, und er hatte sich gerade den ihm zugeschriebenen Titel

des „funny man“ verdient.



Pilger  

Gabriel Garcia Marquez, Strange Pilgrims,

Erzählungen, New York 1993:


Die Idee zur ersten Geschichte kam mir Anfang

der 1970er Jahre, sie war das Ergebnis eines erhellenden

Traums, den ich hatte, nachdem ich fünf Jahre

in Barcelona lebte. Ich träumte, ich wohnte meiner eigenen

Beerdigung bei.

      Ich ging inmitten einer Gruppe von Freunden,

in Trauerkleidung, feierlich gestimmt. Es sah aus, als seien wir

glücklich miteinander – ich mehr als irgendeiner sonst,

gab der Tod mir doch die wunderbare Gelegenheit, mit meinen

Freunden aus Lateinamerika zusammenzusein...

      Am Ende des Gottesdienstes begannen sie

sich zu zerstreuen, und auch ich machte mich daran

aufzubrechen. Aber einer von ihnen machte mir

mit endgültiger Unabweislichkeit klar, die Party sei, was

mich angehe, vorbei. „Du bist der einzige,

der nicht gehen kann“, sagte er. 


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