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BRACHE



              Fritz Hirzel, Charmante alte Lady, 2009/10


Eines Tages erwacht die Brache zu neuem Leben. Das ist ihre

Bestimmung. Die Brache hat lange geruht. Unbefahrene Rangiergeleise. Ein abgewickelter Güterbahnhof. Das ist die andere

Agenda des Lebens. Als Ort der Erinnerung gerät die Brache

erst in Verruf, dann in Vergessenheit. Zum schützenswerten Biotop

hat es nicht gereicht. Jetzt soll sie Stadtteilpark werden, Gewerbefläche, Gastronomie-Grossmarkt, heisst es. Aber geschehen

ist gar nichts. Es gilt die andere Zeit. Der Brache ist eigen,

dass auf ihr lange nichts geschieht.

      Einige Flugstunden entfernt, in Santiago de Chile, sitzt

der Besucher in der Wohnresidenz La Reina mit einer Bewohnerin

bei Kaffee und Kuchen in der Cafeteria. „Wer ist denn die

charmante alte Lady?“ fragt er. „Die Witwe?“ sagt die Bewohnerin.

Der Besucher: „Welche Witwe?“ Die Bewohnerin:

„Ja, wie heisst sie noch gleich? Honneffer? Honecker?“


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