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AUTORITÄT UND VORURTEIL


Das ist Berichterstattung, wie Fritz Hirzel sie

1968 verstanden hat. Er legt einer Rekrutenklasse

der Zürcher Stadtpolizei einen Fragebogen

vor. 60 Prozent stimmen drauf der Meinung zu,

Homosexuelle sollten streng bestraft werden.



               Das Ergebnis ist kleinlaut veröffentlichter

               Schlusspunkt einer Serie über die Zürcher Stadtpolizei.

               Zürcher Woche, Frühjahr 1968


Mehr als die Hälfte der Zürcher Polizeirekruten ist im

Frühjahr 1968 der Meinung, Homosexualität sei ein besonders schweres Vergehen und sollte streng bestraft werden.

31 der 54 Befragten sprechen sich für eine strenge Bestrafung

von Homosexuellen aus.

      Wörtlich lautet die befragte Meinung: „Homosexualität ist eine

besonders faule Art von Vergehen und sollte streng

bestraft werden.“ Dabei kreuzen 31 Zürcher Polizeirekruten

„stimmt“ an, 23 „stimmt nicht“ und keiner „weiss nicht“.

      Nach Auffassung von 60 Prozent der Zürcher Polizeirekruten

gehören Asoziale und Homosexuelle „mit Fug und Recht

eingesperrt“.

      45 Prozent stimmen der Ansicht zu, dass schwere

Sexualverbrecher nicht nur ins Zuchthaus gehören, sondern

öffentlich ausgepeitscht werden sollten.

      Wörtlich lautet die befragte Meinung: „Sexualverbrechen

wie Raub und Vergewaltigung von Kindern verdienen mehr als

nur Zuchthaus. Solche Kriminelle müssten öffentlich

ausgepeitscht werden.“ Nur 28 der 54 Befragten verweigern

der Meinung die Zustimmung.

      Die autoritäre Aggressivität zeigt sich vor allem in Meinungen,

die nach einer Verurteilung, Verwerfung und Bestrafung

von Leuten rufen, welche die konventionellen Werte der Gesellschaft

verletzen. So sind 90 Prozent der Zürcher Polizeirekruten

der Meinung, dass verachtenswert sei, wer für seine Eltern nicht

Liebe, Dankbarkeit und Achtung empfinde.

      Mehr als die Hälfte äussert weiter, dass keine Beleidigung

ihrer Ehre je ungestraft bleiben sollte.

      Immerhin sprechen sich 29 der 54 Zürcher

Polizeirekruten im Frühjahr 1968 gegen die Meinung aus,

es sei nur natürlich und recht, dass die Frauen auf

gewissen Gebieten, wo die Männer mehr Freiheit haben,

eingeschränkt werden.

      80 Prozent der Zürcher Polizeirekruten – 43 der 54

Befragten – glauben, dass die Astrologie viele Dinge erklären

könne, obwohl viele Leute darüber spotten mögen.

      Und nahezu 80 Prozent stimmen der Meinung zu, dass

Wissenschaften wie Chemie, Physik und Medizin den

Menschen zwar sehr weit gebracht hätten, dass es aber viele

Dinge gebe, die vom menschlichen Verstand

wahrscheinlich nie begriffen werden.

      Nicht ganz die Hälfte der Befragten unterschreibt den Satz,

dass jedermann einen tiefen Glauben in eine übernatürliche

Kraft haben sollte, die über ihm steht, der er Treue leistet und deren Entschlüsse er nicht in Frage stellt.

      18 der 54 Polizeirekruten stimmen der Meinung zu, es sei

möglich, dass diese Serie von Kriegen und Konflikten

ein für allemal beendet werde durch ein weltzerstörerisches

Erdbeben, die Sintflut oder eine andere Katastrophe.

      Auf das Vorherrschen von Gefühlen, Phantasien,

Spekulationen und Aspirationen verweist auch eine Reihe anderer Aussagen, die ziemlich eindeutig ausgefallen sind.

      Wörtlich lautet die befragte Meinung:: „Romane und

Geschichten, die über das Denken und Fühlen der Leute erzählen,

sind interessanter als jene, die zur Hauptsache Handlung,

Romantik und Abenteuer enthalten.“

      Immerhin 21 der 54 Rekruten kreuzen „stimmt nicht“ an.

31 dagegen erklären Zustimmung, während 2 sich einer

Meinung enthalten.

      Rund 70 Prozent der Befragten stimmen der Meinung zu,

dass auf der Schule zuviel Nachdruck auf intellektuelle

und theoretische Dinge gelegt werde und nicht genug Nachdruck

auf die praktischen Sachen und auf die einfachen Tugenden

des Lebens.

      36 von 53 Befragten erklären, Bücher und Filme sollten

sich nicht so viel mit den schmutzigen und unteren

Seiten des Lebens befassen. Sie sollten sich auf Themen

konzentrieren, die unterhaltsam und erbaulich sind.

      33 der 54 Befragten gestehen schliesslich, dass es einige

Dinge gebe, die zu intim und persönlich sind, als dass man

selbst mit seinen engsten Freunden darüber sprechen könne.

      Die Ergebnisse werden 1968 in der Zürcher Woche

veröffentlicht. Dem Fragebogen liegt unter anderem die

Faschismus-Skala aus Der autoritäre Charakter.

Studien über Autorität und Vorurteil von Theodor W. Adorno

und anderen zugrunde.


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